Wissenschaftliche Erfassung der bildlichen Darstellungen

Kulturwissenschaftlerin Eva Bös inventarisiert die Sammlung im Jahr 2021

Ein zusätzlicher Schwerpunkt des Museums hat sich mit der Sammlung bildlicher Darstellungen von Gießkannen entwickelt. Inzwischen verfügt das Museum mit seinen Grafiken und Darstellungen von Gießgefäßen in anderen Bildmedien über ein motivisches Spezialgebiet, in dem sich auch einige bemerkenswerte Blätter befinden.
Bislang ist dieser Bestand jedoch nicht systematisch inventarisiert worden. Hierfür wurde im Jahr 2020 ein Förderantrag beim Hessischen Museumsverband gestellt. Die wissenschaftliche Erfassung konnte mit den bewilligten Mitteln im Jahr 2021 umgesetzt werden. Hierfür wurde die externe Kulturwissenschaftlerin und Papierrestauratorin Eva Bös (Frankfurt a. M.) gewonnen.

Sie hat ein Ordnungssystem entwickelt, die Bildwerke der Sammlung in die Sachgruppen Kunstwerk, Grafik, Trivialia aufgeteilt, sämtlichen Blättern eine Signatur zugewiesen und die Grundinformationen erfasst. Damit sind die einzelnen Objekte nun identifizier- und auffindbar. Die Erfassung ist außerdem mit der konservatorischen Maßnahme einer Neuverpackung verbunden worden. Somit ist die Basis für eine langfristige Aufbewahrung und eine weitere Erschließung des Bestands geschaffen. Die Sammlung des Gießkannenmuseums umfasst aktuell 135 historische Druckgrafiken, sieben zeitgenössische Kunstwerke und vier Trivialia.

Die Grafiken bilden historische Gießkannen in unterschiedlichen Kontexten ab und zeigen den gesamten Kosmos des alltäglichen Bewässerungsgefäßes heute sowie in der Vergangenheit. So sieht man historische Freilandkannen bei der Garten- oder Feldarbeit, bürgerliche Interieurs des 19. Jahrhunderts mit Gießkannen, übermütige Kinderszenen, Illustrationen aus Lexika sowie historische Werbungen. Das älteste Blatt ist ein Holzstich aus dem Jahr 1690; die meisten Blätter lassen sich Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts datieren und entstammen vornehmlich der Unterhaltung dienenden Zeitschriften.

Für die Arbeit des Gießkannenmuseums sind diese Darstellungen über ihren individuellen ästhetischen Wert hinaus interessant, da sich aufgrund der gegebenen Motive auch zeitliche Einordnungen der dreidimensionalen Objekte vornehmen lassen.